Das System der Zaibatsu

        Zaibatsu (jap.: 財閥) bezeichnet ehemalige Wirtschaftskonglomerate in Japan, die seinerzeit schon relativ gigantische Ausmaße hatten, Bereits in der frühen Edo-Zeit von 1600 bis 1868 entwickelten sie sich aus Handelshäusern oder Handelsunternehmen, welche von bürgerlichen Familien gegründet wurden, die im Laufe der Zeit extrem an Einfluss, Macht und Reichtum hinzugewannen.

        Die Familie Mitsui war der erste Clan, der mittels Kurzwarenläden und Geldgeschäften in Kyoto, Edo und Osaka sein Vermögen aufbaute und von der beginnenden Industrialisierung von Japans Wirtschaft profitierte. Die vier größten Zaibatsu waren Mitsubishi, Mitsui, Sumitomo und Yasuda. Aber auch andere, noch heute bekannte Namen bildeten Zaibatsu wie zum Beispiel Asano, Fujita, Mori, Karasaki und Nissan. Diese (wörtlich übersetzt) „Finanzcliquen“ diversifizierten sich in der Wirtschaft von Bergbau bis zur Produktion.

        Am Ende des zweiten Weltkrieges wurden die global agierenden Mischkonzerne wegen ihrer Involvierung in die japanischen Kriegsanstrengungen und da sie als antidemokratische Einheiten gesehen wurden von der amerikanischen Besatzungsmacht nach 1945 verboten. Daraufhin reformierten sich die zerschlagenen Gruppen neu in den so genannten Keiretsu.

        Mit dem Begriff Keiretsu sind wirtschaftliche Verbundgruppen bzw. japanische Unternehmensgruppen gemeint, die einen bestimmten Merkmal-Katalog erfüllen. So finden zum Beispiel Präsidententreffen zur Absprache von Unternehmensstrategien statt. Es wird meist eine Hausbank als Hauptkreditgeber und ein Generalhandelshaus für In- und Außenhandel genutzt. Hinzu kommt noch die Entsendung eigener Manager in die Vorstände anderer Gruppenfirmen und die bevorzugte Auftragsvergabe innerhalb der Gruppe. Das Überkreuzhalten der Aktien anderer Mitglieder der Wirtschaftsgruppe führt noch zusätzlich zum Wachsen des starken Zusammengehörigkeitsgefühls.

        Unterschieden werden horizontale und vertikale Keiretsu. Gerade die horizontalen Keiretsu setzen sich aus Unternehmen verschiedener Branchen zusammen und haben ihre Vorläufer in Firmen, die meist bereits vor 1945 als Zaibatsu eine Einheit bildeten. Vertikale Keiretsu sind eher Ketten aus Endherstellern mit ihren Zulieferfirmen oder auch Handelsketten. Bei den horizontalen Keiretsu tauchen wieder bekannte Namen wie Mitsui, Mitsubishi und Sumitomo auf, während bei den vertikalen Verbindungen meist die Automobilindustrie mit Namen wie Toyota, Nissan, Honda, Daihatsu und Isuzu oder die Elektronikindustrie mit Namen wie Hitachi, Toshiba, Sanyo und Sony dominieren. Aber auch die Wirtschaft Japans unterliegt wie die gesamte Weltwirtschaft einem stetigen Wandel, daher bleibt abzuwarten, wie sich die Form der Keiretsu als Erbe der Zaibatsu in Zukunft entwickeln wird.

        Offiziell gibt es übrigens keine Zaibatsu mehr, dennoch firmieren zum Beispiel noch heute viele einzelne Unternehmen unter dem alten Zaibatsu-Namen Mitsubishi, ohne jedoch eine offizielle Verbindung zueinander zu haben.