Das japanische Managementkonzept Kaizen

        Kai bedeutet: Handlung und Veränderung. Zen hat sich aus der buddhistischen Religionslehre entwickelt und bedeutet im engeren Sinne: Den Weg zur Erleuchtung durch Meditation und Selbstdisziplin, in Harmonie mit dem Universum und all seinen Wesen zu gehen. Im Zusammenhang mit dem Kaizen wird der Begriff Zen jedoch schlicht mit dem Ausdruck: zum Guten übersetzt.

        Kaizen ist demnach das Bestreben eine Veränderung zum Guten herbeizuführen.
        Aus dieser Aufforderung zum Handeln, um etwas Besseres, als das bereits Vorhandene zu schaffen und aus der Ethik der Zenlehre wurde das Managementkonzept Kaizen entwickelt und dessen konkrete Umsetzung in den Betrieben, durch davon abgeleitete Vorgaben in Japan vorangetrieben.

        Geschichte des Kaizen

        Die Geschichte des Kaizen begann nach dem zweiten Weltkrieg in Japan, die sehr schwierige wirtschaftliche Situation im Land war eine immense Herausforderung für die Unternehmen. Für das geschäftliche Überleben brauchte man ein neues Konzept, welches idealerweise den Verhältnissen angepasst war und deshalb den täglichen Fortschritt und die Verbesserung aller Bedingungen zur Grundlage hatte, aber zusätzlich die Ethik des Zen und die Mentalität des japanischen Volkes mit in sich vereinte. Diese Kluft wurde geschlossen, durch die Geburt der Idee des Kaizen.
        Seitdem wurde diese ökonomische Philosophie ständig neu erprobt und in der Praxis, sowie in der Theorie bis heute weiterentwickelt und verfeinert.
        Inzwischen hat Kaizen auch viele Anhänger und Praktizierende in den westlichen Industriestaaten gefunden.

        Die Prinzipien des Kaizen

        Kaizen ist kein hierarchisches Prinzip, der einfache Arbeiter, wie auch die Manager eines Betriebes sind darin eingebunden und sind verpflichtet danach zu handeln.
        Das ist eine der Besonderheiten des Kaizen, daß auch die Chefetage aufgerufen ist, täglich und ergebnisorientiert über die Qualität der eigenen Tätigkeit nachzudenken und Verbesserungen einzuführen.
        Dies beinhaltet eben auch, die eigene Arbeit täglich in Frage zu stellen und zuzugeben, wenn etwas verbessert werden kann.
        Die Einbindung des Arbeiters geschieht durch eine Säule des Kaizen, durch das betriebliche Vorschlagswesen. Der Sach- und Fachverstand der Basis an der Produktion wird so genutzt. Jeder Arbeiter ist verpflichtet zu eigenverantwortlichem Nachdenken und Handeln. Dadurch wird die Mündigkeit des Arbeiters gefördert. In Arbeitsgruppen, welche sich regelmäßig treffen wird abteilungsintern oder mit Mitarbeitern aus verschiedenen Abteilungen gemeinsam überlegt und diskutiert, wie die Qualität der Produktion weiter verbessert werden kann oder wie die Logistik des Unternehmens reibungsloser gestaltet werden kann.
        Kaizen ist konzentriert auf die wichtigen Bereiche im Unternehmen, nämlich auf die Qualität der Produkte, auf deren weiteren Verbesserung, auf den Fokus zum Kunden, denn große Kundenzufriedenheit sichert die Kundenbindung und damit das Überleben des Unternehmens.
        Dabei ist Kaizen nicht unbedingt ergebnisorientiert. Beziehungsweise der Fokus wird auf die kleinen Schritte hin zum Ergebnis gelegt, denn der Weg ist das Ziel. Neben dem betrieblichen Vorschlagswesen ist die absolute Qualitätskontrolle und Sicherung der Produkte, welche das Unternehmen herstellt eine weitere wichtige Säule des Kaizen. Strukturierung der Arbeitsprozesse, deren Systematisierung und Standardisierung sind weitere wichtige Bestandteile des Kaizen.
        Ebenso die Vermeidung von Verschwendung von Arbeitskraft, Maschinen und Material und damit natürlich Geld.

        Kaizen im Arbeitsalltag

        In der Praxis des täglichen Arbeitslebens wird die Vermeidung von Verschwendung umgesetzt, indem Überproduktion und zu hohe Bestände von Waren, sowie Wartezeiten und nicht angemessene Verpackungen von produzierten Waren vermieden werden. Die Einführung der Just-in-Time Produktion und Belieferung ist ein Beispiel für die praktische Umsetzung der Verschwendungsvermeidung. Dies ist nur möglich durch die andauernde Kontrolle und Dokumentation aller verfügbaren Daten und Fakten aus dem Produktionsprozess.
        Die Dokumentation spielt in allen Bereichen des Kaizen eine große Rolle, denn nur dort, wo verglichen und in der Historie des Prozesses nachgeschaut werden kann, ist eine tatsächliche Kontrolle überhaupt möglich.

        Durch die enge Einbindung der Arbeiter in den Gestaltungsprozess der Produktion und Verwaltung wird eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen erreicht. Und damit eine hohe Arbeitsleistung. Denn die Arbeitsleistung ist in hohem Maße von der Arbeitsmoral abhängig.

        Kaizen wird auch “von Oben” in der Planung, Organisation, Steuerung und Entscheidungsfindung praktiziert.
        Es ist in allen Etagen des Unternehmens präsent.