Der Begriff der „Keiretsu“ bezeichnet die in der japanischen Wirtschaft maßgebliche Form der branchenübergreifenden Kooperation von Unternehmen. Innerhalb einer Keiretsu, deren Kern zumeist aus einer Bank, einem Industrie- und einem Handelsunternehmen besteht, wird eine Verflechtung erreicht, indem durch Absprache auf Managementebene eine gemeinsame Unternehmenspolitik betrieben wird.
Hierbei werden sowohl durch die gegenseitige Entsendung von hoch qualifiziertem Personal, die interne Kreditvergabe, das Überkreuzhalten von Aktien der beteiligten Unternehmen und die bevorzugte Vergabe von Aufträgen innerhalb der Gruppe enge Netze gewoben. Der Kern einer solchen Keiretsu wird erweitert durch einen Unternehmenszirkel von zwanzig bis dreißig weiteren Geschäftspartnern, die bei regelmäßigen Treffen ihre Strategien absprechen und Informationen austauschen. Ergänzt wird ein solches Konglomerat durch die Zulieferbetriebe des inneren Unternehmenszirkels, so dass eine Keiretsu aus insgesamt mehr als einhundert Firmen bestehen kann.
Unterschieden werden in der Wirtschaft Japans dabei so genannte horizontale und vertikale Keiretsu. Bei der horizontalen Verflechtung handelt es sich um die Zusammenarbeit von Unternehmen verschiedener Branchen, die ihre Aktivitäten koordinieren. Die vertikale Vernetzung erfolgt zumeist angefangen bei den Erzeugern über Zulieferfirmen bis hin zu Endhersteller und Vertriebsorganisationen.
Historisch ist die Entstehung der Keiretsu in Japan begründet durch das Verbot der so genannten „zaibatsu“ – ehemals global agierende Mischkonzerne in Familienbesitz – die unter der Alliierten Besatzung nach 1945 zerschlagen wurden, weil sie als antidemokratische Einheiten angesehen wurden.
Im Zuge der Globalisierung kam in den achtziger und neunziger Jahren vermehrt Kritik an der Form der keiretsu-Zusammenarbeit auf, da selbst kostengünstigere Produkte keinen Weg in die Lieferkette eines Keiretsu-Konglomerats fanden. Im Folgenden wurden in einigen Keiretsu Umstrukturierungen vorgenommen, so dass beispielsweise die Zulieferbetriebe – wie in der westlichen Wirtschaft auch – allein aufgrund der Preisgestaltung ausgewählt wurden.
Mittlerweile ist eine Rückkehr des keiretsu-Verhaltens in die Wirtschaft Japans zu spüren. Etliche Unternehmen vertreten die Meinung, dass durch eine enge Bindung zentraler Gesellschaften untereinander sowie zu ihren Zulieferbetrieben eine langfristigere Kostensenkung erreicht werden könne, da hierbei eine einheitliche Marschrichtung hinsichtlich der Qualitätsstandards und der Geschäftspraktiken verfolgt werden könne.


