Woher kommt das moderne Karate?
Die Geschichte des Karate lässt sich bis ins alte China zurückverfolgen. Die Ryukyu-Inseln, die damals noch nicht zu Japan gehörten sondern ein unabhängiges Königreich waren, verfügten über gute Handelsbeziehungen zu China. So kam es neben dem Warenhandel auch zu einem kulturellen Austausch, und chinesische Kampfkünste fanden ihren Weg in das Ryukyu-Reich. Die zunächst als “Te” bezeichneten Kampftechniken (Te bedeutet Hand) wurden über die Jahre weiterentwickelt. Um mögliche Aufstände auf den Inseln einzudämmen erließ König Sho Hashi 1416 ein Waffenverbot, dass durch spätere japanische Invasoren der Insel sogar noch auf übliche Zeremonienwaffen ausgedehnt wurde. Aus diesem Grunde erfreuten sich waffenlose Kampftechniken großer Beliebtheit. Schließlich erkannten die Besatzer der Insel, dass selbst von den Kampftechniken eine Gefahr ausging und verboten auch deren Lehre. So kam es dazu, dass die Techniken vom Meister zum Schüler nur im Geheimen weitergegeben wurden.
Verbreitung von Karate in Japan und der Welt
Nachdem Okinawa 1872 Teil des japanischen Reiches wurde, fand Karate allmählich den Weg auf die japanische Hauptinsel. Hierfür war in erster Linie Gichin Funakoshi verantwortlich, der begann, die bisher nur mündlich überlieferte Kampfkunst zu systematisieren und zu modernisieren. So wurde in den 1930er Jahren die bis heute übliche weiße Uniform eingeführt. Auch das Rangsystem, dass durch das Tragen von verschiedenfarbigen Gürteln sichtbar gemacht wird, stammt aus dieser Zeit. Nach dem zweiten Weltkrieg verbreitete sich Karate auch außerhalb Japans – durch die Besatzung Japans durch die Alliierten und durch die vielen japanischen Einwanderer auf Hawaii fand Karate seinen Weg zunächst in die USA, später auch nach Europa, wo 1954 in Paris die erste europäische Schule gegründet wurde. In Deutschland geschah dies drei Jahre später. Heutzutage wird Karate von ca. 23 Millionen Menschen weltweit aktiv ausgeübt.
Verschiedene Stilrichtungen
Im Laufe der Zeit entstanden mehrere Stile des Karate, von denen die heute üblichen alle auf vier Hauptrichtungen zurückgehen, die im folgenden kurz beschrieben werden sollen.
Shotokan
so hieß das erste offizielle Dojo (damit wird die Trainingshalle der Karatekas bezeichnet) des Vaters des modernen Karate – Gichin Funakoshi. Es zeichnet sich durch eine tiefe und stabile Grundhaltung aus, von der kraftvolle und dynamische Bewegungen ausgehen. Beim Shotokan-Stil wird versucht, eine möglichst große Distanz zum Gegner zu wahren.
Gojuryu
was übersetzt etwa “harter und weicher Stil” bedeutet. Die Kampftechnik ist eine Kombination aus “harten” Techniken, wie Tritten und Handschlägen und “weichen” Elementen, die durch kreisförmige Bewegungen mit der offenen Hand ein Führen und Kontrollieren des Gegners erlauben, aber auch Angriffe, Fesselgriffe und Würfe ermöglichen.
Shitoryu
der Begründer dieser Richtung, Kenwa Mabuni, lernte bei zwei verschiedenen Meistern. Somit sind sowohl “harte” Elemente vorhanden, also direkte und kräftige Bewegungen, als auch “weiche” Elemente.
Wadoryu
hierbei handelt es sich um eine Stilrichtung, die weniger direkt ist als die anderen Richtungen. Der Fokus liegt auf Ausweichbewegungen und Kontern, aber auch auf Hebel- und Wurftechniken.
Karate – mehr als Prügelei
Vielen Menschen dürfte Karate in erster Linie durch Martial-Arts-Filme aus Hollywood bekannt geworden sein, so dass leicht der Eindruck entstehen kann, dass es sich hierbei um eine aggressive Sportart handelt. Wie so häufig bei asiatischen Kampfkünsten ist dies jedoch auch bei Karate nicht der Fall. Der Leitsatz der Japan Karate Association ist: “Ziel in der Ausbildung des Karate ist weder Sieg noch Niederlage, sondern die Vervollkommnung des Charakters des Ausübenden.” Dieser Leitsatz spiegelt sich in vielen üblichen Regeln des Karate wieder, wie z.B. der Respekterweisung gegenüber dem Meister und der Meditation vor dem Training.





Schöner Artikel, man sollte aber nicht vergessen, daß es neben der JKA auch andere Organisationen gibt und deren Leitsätze variieren erheblich!
verfasst am: 11. April, 2012 um 2:33 PM