Synkretismus, ursprünglich die Vereinigung der Kreter gegen einen gemeinsamen Feind, bezeichnet im heutigen Sprachgebrauch die Kombination zweier oder mehrerer Religionen zu einer -nur schwer in ihre ursprünglichen Bestandteile zurückzuverfolgende- Konfession.
Für den an monotheistische religiöse Konzeptionen gewöhnten Menschen des Okzidents, mit klar definierten Dogmen, Kanons und Abgrenzungen, bereitet der im heutigen Japan gelebte Synkretismus erhebliche Annäherungsschwierigkeiten, einerseits wegen der scheinbaren Vermischung von Glaubensriten und Kitsch, andererseits weil es zahlreiche so genannte „Neue Religionen“ gibt.
Laut Statistik sind im heutigen Japan ca. 40% der Bewohner Shintoistischer-, und 38% Buddhistischer Konfession. Allein eine derartige Darstellung verfälscht schon das tatsächliche religiöse Alltagsleben der Japaner, in welchem beide Religionen ineinander greifen und sich im Laufe der Geschichte wechselseitig beeinflusst haben. So entspricht es in Japan durchaus der Norm, sowohl die Schreine des Shinto als auch die Tempel desBuddhismus aufzusuchen, und zu allerletzt auch noch Weihnachten zu feiern (letzteres allerdings eher im kommerziellen Sinne)
Die präzisen Ursprünge des Shintoismus sind umstritten, dennoch gilt dieser Glaube als der einzige wahrhaft Indigene des Landes. Es handelt sich dabei um ein animistisches und polytheistisches Glaubenssystem, im Rahmen dessen die „kami“ (Geister/Gottheiten) verehrt werden. Kami können Menschen, Tiere, physische Gegenstände, Himmelskörper usw. sein.
Der Buddhismus drang im 6.Jh vom südlichen Korea aus nach Japan ein, und koinzidierte zeitlich mit der ersten Kodifizierung japanischer Mythologie. Es folgte eine lange währende Periode (mehr oder minder) friedlicher Koexistenz der beiden Religionen, vor allem unter dem Einfluss der Lehren des „Shingon Buddhismus“-Gründers Kukai.
In späteren Jahrhunderten verstärkt sich die Sektifizierung der Glaubensrichtungen, ein Vorgang der dann sein jähes „offizielles“ Ende im 19.Jh, in der Meiji Restauration findet.
Das 19.Jh war auch in Japan eine Zeit imperialistischer Aspirationen und führte zu intensiven Auseinandersetzungen mit der Frage nach dem „rein Japanischen“.
Die Folge war der Staatsshintoismus als nationale Religion. Unterschwellig lebten jedoch die vielen konfessionellen Verzweigungen und Sekten fort, bis sie nach Ende des 2. Weltkrieges und der Ausrufung des laizistischen Staates wieder öffentlich wurden.
Das heutige Japan ist gekennzeichnet von einer tief greifenden Pluralität und Toleranz der Glaubensrichtungen, die sich im täglichen Leben, im Feiern der Feste, der Verehrung der Ahnen auf komplexe und beeindruckende Weise überschneiden.



