Die Geschichte Japans – die Taisho-Zeit

        Die im Jahre 1868 von Meiji-tenno eingeleitete Reform des Kaiserhauses beendete die Zeit des Kriegeradels und die Moderne begann. Meiji-tenno (tenno bedeutet Kaiser) wurde mit acht Jahren zum Kronprinzen ernannt. Mit 15 Jahren folgte er seinem Vater auf den Thron und ein Jahr später, im Jahre 1868, konnte durch seine Unterstützung die Modernisierung eingeleitet werden. Unter seiner Herrschaft wurden eine Verfassung und ein Parlament aufgestellt. Somit wurde Japan zu einer konstitutionellen Monarchie. Kurz vor dem Ende der Meiji-Ära wurde die Belastung der Staatskassen für militärische Zwecke auf rund 30 Prozent geschätzt. Der Russisch-Japanische-Krieg von 1904/05 hatte ein großes Loch in die Haushaltskassen geschlagen. Die Reserven waren aufgebraucht und es fehlte an Devisen, um Schulden an ausländische Gläubiger abbauen zu können.

        Im Juli 1912 starb der Meiji-Kaiser Japans und der Kronprinz Yoshihito bestieg den Thron. Er regierte das Land unter der Regierungsdevise Taisho. Hiermit war die Taisho-Ära eingeleitet. Taisho-tenno war jedoch in seiner Kindheit an einer Hirnhautentzündung erkrankt. Von dieser Krankheit konnte er sich nie richtig erholen. Für den Rest seines Lebens war Taisho-tenno geistig und körperlich behindert. Doch trotz seiner Behinderung trat er die Nachfolge seines Vaters Meiji-tenno an. Nach seiner Krönung im Jahre 1912 wurde er weitestgehend von der Öffentlichkeit als Tenno ferngehalten. Grund dafür war seine Behinderung. Bei einer Parlamentseröffnung im Jahre 1913, einem seiner sehr seltenen öffentlichen Auftritte, rollte er das Blatt Papier, auf dem seine Rede stand, zu einem Fernrohr zusammen. Damit beobachtete er die Menschen in seiner Umgebung anstatt die darauf befindliche Rede vorzulesen. Nach 1919 wurden ihm keine öffentlichen Auftritte mehr zugemutet und im Jahre 1921 wurde der Sohn des Taisho-tenno, Showa-tenno (mit bürgerlichem Namen Hirohito) zum Staatsoberhaupt ernannt. Yoshihito starb als Taisho-tenno im Jahre 1926 im Alter von 47 Jahren.

        Doch die Krankheit des Tenno beeinflusste nicht nur ihn selbst. Auch das Land Japan hatte darunter sehr zu leiden. Der Taisho-tenno war durch seine Krankheit sehr geschwächt und nicht in der Lage, das Land zusammen zu halten. Es kam zu einer Machtverschiebung. Diese Machtverschiebung, die sich über die Traditionalisten und oligarchisch agierenden Beamten bis zu den Demokratischen Parteien erstreckte, brachte der Taisho-Ära auch den Namen Taisho-Demokratie ein.

        Nach dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918), in dem Japan auf der Seite der im Jahre 1904 zwischen Großbritannien und Frankreich geschlossenen Entente stand, übernahm Japan deutsche Territorien. Nun prägten kulturelle Dynamik und wirtschaftlicher Aufschwung das Land. Die Industrialisierung ließ in Japan ein Proletariat entstehen, obwohl noch große Teile der Bevölkerung von Landwirtschaft lebten. Von den Intellektuellen wurde eine linke Bewegung gebildet und im Jahre 1905 wurde die Sozialistische Partei Japans gegründet, die jedoch ein Jahr später durch die Unterdrückung durch die Regierung wieder aufgelöst wurde. Dies führte zu einer Radikalisierung der Bewegung, die einen bedeutenden Einfluss auf chinesische Studenten in Tokio gewann.

        Die demokratischen Experimente der Taisho-Zeit brachten ein parlamentarisches System hervor. Doch die Demokratie war instabil und scheiterte. Dadurch konnte das Militär immer mehr und mehr die Kontrolle gewinnen. Dies läutete den Beginn der Showa-Ära, unter der Herrschaft des Sohnes von Taisho-tenno – Hirohito, im Jahre 1926 ein.